Siegfried Hubert
Rassekaninchenzucht im Westerwald 

Riesenkaninchen 

Es macht einfach Freude, diese großen Rassekaninchen zu züchten. Durch den großen Platzbedarf der Riesen können wir vergleichsweise weniger Tiere im Jahr aufziehen, was aber auch Vorteile hat. Wir kennen jedes Tier genau und haben so auch für alle eine Portion Futter aus unserem Garten. 

Der erste Satz in der Rassebeschreibung des aktuellen Europastandards zeigt sehr gut wie sie sein sollen – unsere Riesen: „Das größte der Kaninchen muss in seinem Gesamteindruck majestätisch wirken, es muss eine dem Vollgewicht entsprechende Größe und Länge besitzen.“ 

Unser Ziel ist es unter Einhaltung der Richtlinien des ZDRK gesunde und hochwertige Rassekaninchen zu züchten, die dem Standard so nahe wie möglich kommen. Bei uns steht die Freude an den Tieren und die Zucht im Vordergrund. Wir können und wollen dies allerdings nur in kleinem Rahmen betreiben. Nur mit einer kleinen Riesenzucht können wir neben anderen Interessen die Qualität hervorbringen, die wir anstreben.  

Großen Wert legen wir auf Gesundheit und gute Futterverwertung unserer Tiere. Im Vordergrund stehen insbesondere die Robustheit und Gesundheit unserer Rassekaninchen, um eine Langlebig- und Frohwüchsigkeit zu erhalten. Wir setzen in der Zucht auf den Einsatz hochwertiger Futterkomponenten und strenge Selektion. Nur gesunde, robuste Tiere, die ihr Vollgewicht mühelos erreichen, werden bei uns zur Zucht verwendet. 

Das Ausstellungsgeschehen hat bei uns zwar auch eine Bedeutung, weil wir hier die Qualität unserer Tiere mit der der anderen Züchter vergleichen können; es steht bei uns allerdings nicht im Vordergrund. Wir unterliegen bei unserem Handeln keinerlei wirtschaftlichen Interessen, sondern betreiben Rassekaninchenzucht als Hobby wobei der Umgang mit den Tieren der Freizeitgestaltung dient. Für uns ist es wichtig stets die Vitalität und Gesundheit der Tiere im Auge zu behalten. Nicht nur die Schönheit, sondern auch Vitalität und Leistung bildet die Grundlage unserer kleinen Zucht. 

Weil uns dieser Leistungsgedanke wichtig ist sind wir auch Mitglied im Herdbuch. Bei der Herdbuchzucht steht der landwirtschaftlich ausgerichtete Leistungsgedanke besonders im Vordergrund, denn das Hauptziel der Herdbuchzucht ist die Zucht erbfester Tiere, die zur Verbesserung der Landeszuchten beitragen sollen. Hierbei spielen wissenschaftliche Erkenntnisse und die praktischen Erfahrungen eine besondere Rolle. Der Herdbuchzüchter verpflichtet sich nur Tiere bester Qualität, Fruchtbarkeit, Säugeleistung, Aufzuchtleistung, Vererbung, Futterverwertung und Konstitution an die Landeszuchten oder andere Zuchten abzugeben.  

Die Riesenzucht ist eine Freizeitbeschäftigung, die bei uns eine Einheit mit unserem Garten bildet. Auch deshalb sind der Größe unserer Zucht Grenzen gesetzt. Garten und Zucht sollen zusammen passen. Es soll alles verwertbar bleiben. Wir erhalten Genreserven und tragen durch unsere Arbeit zum Schutz unserer Umwelt aktiv bei. Genaue Aufzeichnungen und ein modernes Zuchtbuch in der Cloud ermöglichen uns eine hochwertige kleine Zucht.  

Fütterung 

Schon oft wollte ich meine Fütterungsweise detailliert beschreiben und veröffentlichen, damit andere, besonders Zuchtanfänger daran teilhaben können. Dies ist aber eigentlich gar nicht möglich, weil meine Fütterung immer etwas anders ist. 

„Das Auge des Herrn füttert das Vieh." Dieses alte Sprichwort hat m.E. nach wie vor Bedeutung. Man muss den Tieren gewissermaßen ansehen lernen, was sie brauchen. Wie kann man das lernen? Man sollte sich theoretisch mit dem Verdauungssystem der Tiere und den verschiedenen Futtermitteln vertraut machen und man muss Erfahrungen sammeln und so im Laufe der Zeit ein „Auge" dafür entwickeln, wie eine für den gegenwärtigen Zustand der Tiere optimale Futterzusammensetzung aussehen könnte. Ohne Erfahrungen und tägliche intensive Beobachtung der Tiere wird man wenig erfolgreich sein. Zuchtanfänger brauchen hier die Unterstützung der „alten Hasen". 

Nur mit Heu und Gras kann man keinen Riesen füttern. Die Tiere brauchen schon etwas gehaltvolleres Futter. Schließlich müssen sie verglichen mit den kleineren Rassen in fast gleicher Zeit ein Gewicht von ca. 8 kg oder mehr erreichen. Eine Pelletfütterung zur freien Aufnahme gibt es bei uns allerdings nicht. Im Rahmen einer artgerechten Fütterung werden pelletierte Mischungen von uns vernachlässigt. Wir mischen unser Futter selbst und verfüttern auch Produkte aus unserem Garten, wobei wir keine Zusätze im Trinkwasser und keine vorbeugenden Kräutertinkturen oder Medikamente verwenden. Ein Riese muss auch ein guter Futterverwerter sein. Tiere, die bei unserer Fütterung die gewünschten Gewichte nicht erreichen, werden der Schlachtung zugeführt. 

Unsere Riesenkaninchen werden drei Mal täglich gefüttert. Morgens bekommen sie eine Handvoll Futter. Nachmittags, ca. zwei bis drei Stunden vor der eigentlichen Fütterung bekommen sie Heu. Abends wieder etwas Futter und noch einmal etwas Heu. Manchmal dazu noch Möhren, Kräuter, etc. Im Sommer gibt es außerdem täglich frisch gemähtes Grünfutter aus unserem Garten. 

Als Pflanzenfresser haben Kaninchen ein kompliziertes Verdauungssystem, das relativ störanfällig ist. Die Tiere haben einen nur schwach bemuskelten Magen, der zum Weitertransport der Nahrung in den Darm nur wenig beitragen kann. Es kann sich nicht übergeben. Es muss immer wieder Nahrung aufgenommen werden, damit das nachdrängende Futter den Nahrungsbrei in den Darm weiterschieben kann. Dies müssen wir bei der Fütterung unbedingt berücksichtigen, wenn wir Krankheiten vermeiden wollen. 

Eine krasse Futterumstellung sollte man bei Kaninchen immer vermeiden. Dies überfordert die Darmflora und kann zu Ernährungsstörungen bis hin zum Tod der Tiere führen. Verdauungsstörungen, zu denen die Enterocolitis zählt, können viele Ursachen haben. Oft sind es Fütterungsfehler, die man vermeiden kann. 

Heu ist besonders wichtig. Ohne Heu läuft in der Rassekaninchenzucht gar nichts. Sie benötigen es das ganze Jahr über – auch im Sommer. Wir verwenden bevorzugt den strukturstarken ersten Schnitt ab Ende Juni geerntet. Das Heu sollte grobe Fasern und grobe Halme aufweisen. Dann wird es von den Tieren lieber gefressen und es ist dann auch gesünder als weiches Heu. Früh gemähtes Gras ist für Rinder gut, für Kaninchen und Pferde aber eher schlecht. 

Kleine Riesen 

Neugeborene Kaninchen sind einzigartig in der Tierwelt, da ihr Verdauungstrakt während der ersten Lebenswochen fast vollständig frei von Bakterien bleibt. Es gibt in der Kaninchenmilch ein besonderes Molekül (Fettsäure), welches das Überleben von Bakterien im Verdauungstrakt der jungen Kaninchen verhindert. Manchmal wird dieses Molekül als „Milchöl" bezeichnet.   

Der Verdauungstrakt bleibt während der ersten drei Lebenswochen der Kaninchen meistens steril. Nach Erreichen dieses Alters werden die jungen Kaninchen kräftiger, neugieriger, verlassen das Nest, und beginnen Futter, welches sie auf natürliche Weise auf ihrem Weg finden, zu knabbern. Bis zur sechsten Woche ihres Lebens verringern junge Kaninchen ihre Milchaufnahme. Die Konzentration des Milchöls im Magen verringert sich dementsprechend. Mikroorganismen, die aufgenommen werden, überleben den Durchgang durch den Magen und beginnen im Blinddarm und den verschiedenen Teilen des Darms schnell zu wachsen und ihn zu besiedeln. 

Die letzte Phase vor dem Absetzen ist sehr wichtig und kann schief gehen. Die Mikroorganismen, die sich im Verdauungstrakt entwickeln, sind grundlegend abhängig von der Art der Ernährung (z.B. Heu), Stress, etc. und es kann passieren, dass sich pathogene Bakterien im sterilen Verdauungstrakt ansiedeln. Dies führt zu schwerem Durchfall und (tödlichen) Darmstörungen. Das Jungkaninchen ist frühestens ab der 7. Lebenswoche in der Lage größere Mengen an Stärke enzymatisch aufzuspalten. Die unverdauten Reste im Darmtrakt dienen pathogenen Coli-Stämmen, Clostridium perfringens u. a. als Nährboden. 

Wir belassen die kleinen Riesen daher meist bis zum Alter von acht Wochen bei der Mutter. Erst wenn die komplexe Bakterien-Flora den Verdauungstrakt besiedelt hat, wird sie dazu beitragen, die Entwicklung von pathogenen Bakterien zu verhindern.  

Zucht 

Riesenkaninchenzucht hat eine lange Tradition - auch im Westerwald. Züchten bedeutet das Erbbild eines Tieres nach dem vorgegebenen Zuchtziel zu verändern und zu festigen. Die Genetik hilft uns hierbei, aber ohne Fingerspitzengefühl und auch manchmal etwas Glück wird man nicht erfolgreich sein. Manche Züchter vertreten z.B. die Ansicht, Fehler seien durch entgegengesetzte Merkmale auszugleichen. Dies stimmt nur bei polyfaktorieller Vererbung. Ein in der Literatur häufig angeführtes Beispiel ist die nach links gerichtete Blume, die mit einem Tier, das eine nach rechts getragene Blume hat, ausgeglichen werden kann. Der Versuch wird fehlschlagen. Der Fehler ist nicht ausgeglichen, es ist aber eine neue Spalterbigkeit hinzugekommen. 

Eine geeignete Methode wäre die Verdrängungszucht. Man kreuzt ein fehlerhaftes Tier mit einem fehlerfreien und verwendet nur die fehlerfreien Tiere für die Zucht. Wenn man dann die Übrigen auf das einwandfreie Elterntier zurückpaart und dies so lange wiederholt, bis alle fehlerhaften Merkmale überwunden sind, dann hat man den Fehler verdrängt. 

Als moderne Zuchtmethode gilt die Linienzucht. Wenn es schief geht, dann war es Inzucht und wenn man Erfolg hat, dann war es Linienzucht. Wir betreiben gemäßigt Linienzucht. Wir kaufen aber auch immer wieder gute Zuchttiere dazu und probieren so die Zucht unserer Riesenkaninchen immer weiter zu verbessern. 
Bei der Riesenzucht kommt es aber nicht nur auf den Standard an. Natürlich sollte ein Zuchttier dem Standard möglichst nahe kommen und natürlich möchte man auf Ausstellungen auch erfolgreich sein. Es kommt in der Zucht aber auch auf andere Werte an. Gerade von Riesenkaninchen erwarten wir große Würfe, gute Milchleistung und eine gute Futterverwertung. Diese Eigenschaften kann der Preisrichter nicht messen. Trotzdem sollte gerade diesen Eigenschaften mehr Beachtung geschenkt werden. Gute Riesen, die im Alter von 6 Monaten 7 kg auf die Waage bringen, zeigen in die richtige Richtung.  

Es gibt bei fast jeder Kaninchenrasse absolute Spitzenzüchter mit großen (für einen Anfänger manchmal etwas abschreckenden) Zuchtanlagen mit achtzig oder mehr Stallungen. Im Leben dieser Zuchtfreunde dreht sich fast alles um die Rassekaninchenzucht, die Leidenschaft bestimmt ihr Leben. Züchter- und Ausstellungsbesuche, Versammlungen und verschiedene organisatorische Aufgaben prägen den Jahresverlauf dieser überzeugten Züchter. Sie führen ein Leben für ihre Kaninchen. Das ist gut so, aber zeitaufwendig und diese Zeit hat eben nicht jeder.  

Manche Züchter haben 15 bis 30 Ställe. Dies macht nicht so viel Arbeit, reicht aber aus, wenn man sich auf eine Rasse konzentriert. Mit etwas Glück kann man auf dieser etwas kleineren Basis sogar im oberen Drittel „mitschwimmen“. Selektion, optimale Pflege und ein „gutes Auge“ sind hier besonders wichtig. Es gibt viele Beispiele für kleine, aber sehr erfolgreiche Zuchten, die über Jahrzehnte das Bild ihrer Kaninchenrasse mitprägen.  

Wir halten nur so viele Tiere wie wir für eine geordnete Zucht brauchen. Die Größenordnung soll zur Größe unseres Gartens passen. Wir können so den Mist vollständig selbst verwerten und der Garten liefert genug Grünfutter für die Tiere. Wahrscheinlich werden wir so nie Deutscher Meister, aber wir haben schon einige Male auch V-Tiere auf den Ausstellungen gezeigt. Dies genügt uns vollständig, weil das Züchten für Ausstellungen bei uns nicht im Vordergrund steht. Zu sehen, wie gesunde kleine Riesen heranwachsen und einfach Freude daran zu haben ist bei uns das Wesentliche.  

Man kann aber auch in kleinem Rahmen mit acht bis zwölf Buchten anfangen. Dies macht nicht viel Arbeit - zwei oder drei Würfe, die besten Jungtiere behalten, warum nicht? Mit etwas Glück kann sich der Erfolg sogar hier einmal auf höherer Ebene einstellen. Was aber jedem Züchter mit dieser minimalen Basis klar sein sollte: Einer Rasse den eigenen Stempel aufdrücken oder spezielle Rassemerkmale verbessern etc. – das geht bei dieser Art der Zucht eigentlich nicht. Doch dieses hohe Ziel will und muss nicht jeder Züchter erreichen. Die Freude an schönen Kaninchen kann man auch hier erleben und bei dieser Größenordnung kann man durchaus ohne großen Aufwand in den Urlaub fahren. Es findet sich immer jemand in der Nachbarschaft oder im Verein, der die Tiere versorgt.  

Natürlich gibt es auch viele Kaninchenhalter, die ebenso ihre Freude an ihren Kaninchen haben, an Jungtieren, an der Aufzucht und natürlich am leckeren Kaninchenbraten. Diese Menschen kennen sich oft schon gut mit Kaninchen aus. Der Schritt zum Rassekaninchenzüchter ist eigentlich nicht mehr so weit. Auch Rassekaninchen lassen sich durchaus in der Küche nutzen. Unsere Riesenkaninchen bereichern unsere Küche jedenfalls sehr.  

Eigentlich ist es nicht so wichtig, wie groß eine Rassekaninchenzucht ist, oder ob man nun Halter oder Züchter ist. Wichtig scheint mir die Ganzheitlichkeit, die in dieser Freizeitbeschäftigung steckt, zu erkennen. Wer einen Garten hat, der hat auch „Gartenabfälle“, die ein hervorragendes Kaninchenfutter darstellen, wobei ein Kaninchen natürlich keine Biotonne ist. Ich habe noch nie so ganz verstanden, warum so viele Menschen wöchentlich oft widerwillig den Rasenmäher durch den Garten schieben. Der Schritt zu einer blühenden Wiese ist doch nur klein und diese liefert das Futter für die Kaninchen und sie sieht auch noch gut aus. Ich habe auch noch nie so ganz verstanden, warum viele Halter und Züchter den Kaninchenmist z.​B. zu einem Bauern fahren. Der Mist stellt doch wertvollen Dünger für den Garten dar.  

Rassekaninchenzucht hat viele Aspekte, die besonders bereichernd in ihrer Gesamtheit wirken. Kontinuierlicher Umgang mit den Tieren in Verbindung mit dem eigenen Anbau von Gemüse und ein paar Futterpflanzen, der Besuch von Ausstellungen, interessante Gespräche mit anderen Züchtern, die theoretische Beschäftigung mit der Zucht selbst und der Genetik und vieles mehr machen Rassekaninchenzucht aus. Eine in vieler Hinsicht lohnende Sache. Man muss eigentlich nur den Zugang dazu finden. Dies ist vielleicht heute schwieriger als in früheren Zeiten.  

Zuchtgeschichte 

Obwohl es viele kaum glauben können, auch unsere Riesenkaninchen stammen vom Wildkaninchen ab und nicht vom Hasen. Hasen und Wildkaninchen haben unterschiedliche genetische Strukturen und Lebensformen. Ein Wildkaninchen wiegt ca. 1,5 bis 2,5 kg und ein Hase erreicht ein Gewicht von bis zu 7 kg. Kaninchen leben in selbst gegrabenen Bauten, Hasen auf offenem Feld. Kaninchen bringen ihre sechs bis sieben Jungen in der Sicherheit des Baus zur Welt, blind und nackt. Hasen gebären in der „Sasse" — einer Kuhle am Rande des Ackers, und ihre zwei bis drei Jungen haben Fell, können sehen und bald auch fliehen.
Ein Riesenkaninchen hat ein Normalgewicht von über 7 kg - das Höchstgewicht ist auf 11,5 kg festgelegt. Man findet in der Praxis jedoch kaum Tiere, die mehr als 10 kg auf die Waage bringen. 

Im Volksmund wurden die Deutschen Riesen oft als Belgische Riesen bezeichnet und so ganz falsch ist das auch gar nicht. Das Riesenkaninchen stammt aus der belgischen Provinz Flandern. Wie die Rasse hier entstanden ist, weiß man nicht genau. Wahrscheinlich ist, dass dieses größte Kaninchen uns durch eine Laune der Natur, etwa durch eine Mutation geschenkt worden ist.
Die ersten Riesenkaninchen kamen zwischen 1880 und 1890 nach Deutschland. Sie hatten hasengraue Felle, die oft noch mit weißen Abzeichen durchsetzt waren (Blesse). Diese Tiere wogen damals so ca. 4 bis 5 kg. Die deutschen Züchter legten Wert auf rein graue Felle und züchteten erfolgreich eine größere Körperlänge heraus. Das Riesenkaninchen wurde dann zusammen mit einigen anderen Rassen in den ersten deutschen Standard aufgenommen. Es wurde in erster Linie versucht, durch Züchtung auf Körperlänge, das Gewicht der Tiere weiter zu erhöhen. Erst später erkannte man, dass eine übermäßige Körperlänge zu krankhaften Veränderungen führen kann. 

Karl Julius Lohr ist der Begründer der Rassekaninchenzucht in Deutschland. Er gründetet im April 1880 den ersten Rassekaninchenzuchtverein in Deutschland mit dem Gedanken Kaninchenfleisch zur Volksnahrung zu machen. Die erste Ausstellungs- bzw. Werbeschau organisierte Julius Lohr zusammen mit seinen Vereinsfreunden im Jahre 1881 in Chemnitz. Mit großem Interesse wurde diese von der Bevölkerung besucht. Karl Julius Lohr entwickelte auch das heutige Preisrichter- und Bewertungssystem. Als erster Preisrichter bewertete er nach der 100 Punkte Regelung die noch heute ihre Gültigkeit hat.
Um 1930 erreichte die Riesenzucht ihren Höhepunkt. Es erfolgte dann die Trennung in Wirtschafts- und Sportrassen und man erkannte den Riesenkaninchen den umstrittenen Status als Wirtschaftsrasse ab. Hierdurch entfiel die Förderung durch den Staat und die Riesenkaninchen wurden weniger. Über die Kriegs- und Nachkriegszeit kamen sie aber gut hinweg. Heute kann man die Deutschen Riesen in erstaunlicher Anzahl und guter Qualität auf den meisten Ausstellungen sehen.